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EN ISO 11612 – Schutzkleidung gegen Hitze und Flammen

Die EN ISO 11612 ist eine europäische Norm für Schutzkleidung gegen Hitze und Flammen. Sie definiert Mindestanforderungen an Materialien und Konstruktion von Arbeitskleidung, die Beschäftigte vor thermischen Risiken schützt – etwa bei Arbeiten mit offener Flamme, Strahlungswärme oder Metallspritzern.

Als Hersteller von hochwertiger Schutzkleidung informiert ROFA hier kompakt und praxisnah über Inhalte, Schutzklassen und Einsatzbereiche der EN ISO 11612 – inklusive Einordnung, welche Schutzstufen in der Praxis typischerweise sinnvoll sind.

Was ist die EN ISO 11612?

Die Norm EN ISO 11612:2015 legt fest, welche Anforderungen Schutzkleidung erfüllen muss, um Träger zuverlässig vor kurzzeitigem Kontakt mit Hitze und Flammen zu schützen.

Sie ersetzt die frühere Norm EN 531 und wird europaweit für persönliche Schutzausrüstung (PSA) eingesetzt.

Ziel der Norm

Schutz vor:

  • Flammenkontakt
  • Konvektiver Hitze (heiße Luft / Flammenhitze)
  • Strahlungswärme
  • Spritzern von geschmolzenem Metall
  • Kurzzeitigem Kontakt mit heißen Oberflächen

Wichtig: Welche Schutzstufen im Einzelfall erforderlich sind, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung (Tätigkeit, Expositionsdauer, Intensität der Hitzequelle und Arbeitsumgebung).

Welche Schutzarten umfasst die EN ISO 11612?

Die Schutzleistung wird über Kennbuchstaben (A–F) und Leistungsstufen angegeben. Je nach Gefährdung können einzelne Schutzarten kombiniert auf einem Kleidungsstück ausgewiesen sein.

Übersicht der Schutzklassen nach EN ISO 11612

Schutzarten und Kennzeichnungen der EN ISO 11612
Kennbuchstabe Schutz vor Bedeutung
A1 / A2 Begrenzte Flammenausbreitung A1 = Oberflächenzündung, A2 = Kantenentzündung
B1–B3 Konvektive Hitze Schutz vor heißer Luft / Flammenhitze
C1–C4 Strahlungswärme Schutz vor Wärmestrahlung (z. B. Ofen, Gießerei)
D1–D3 Aluminiumspritzer Schutz vor geschmolzenem Aluminium
E1–E3 Eisenspritzer Schutz vor geschmolzenem Eisen
F1–F3 Kontaktwärme Schutz bei kurzzeitigem Kontakt mit heißen Oberflächen

Merke: Je höher die Zahl, desto höher die Schutzleistung (z. B. B3 > B1).

Praxis-Tipp: Entscheidend ist nicht „möglichst hoch“, sondern „passend“. Höhere Schutzstufen können je nach Materialaufbau auch mehr Gewicht bzw. Wärmestau bedeuten.

Erklärung der Schutzklassen (A–F)

A – Begrenzte Flammenausbreitung

Diese Prüfung ist ein Kernbestandteil der EN ISO 11612. Das Material darf nicht weiterbrennen, nicht schmelzen und keine gefährlichen Tropfen bilden.

B & C – Hitzeeinwirkung (Konvektion & Strahlung)

  • B: Konvektive Hitze – z. B. heiße Luft, Flammenhitze
  • C: Strahlungswärme – z. B. Ofenarbeitsplätze, Gießerei-Umgebungen

D & E – Metallspritzer

Diese Klassen sind besonders relevant in Bereichen mit geschmolzenem Metall, z. B. in der Metallverarbeitung oder der Stahlindustrie.

F – Kontaktwärme

Schutz bei kurzzeitigem Kontakt mit heißen Oberflächen bis zu definierten Temperaturen – wichtig z. B. bei Montage- oder Instandhaltungsarbeiten.

Wie wird nach EN ISO 11612 geprüft?

Die Schutzklassen der EN ISO 11612 basieren auf standardisierten Prüfverfahren. Dabei wird nicht nur das Material, sondern auch dessen Verhalten unter realistischen Hitze- und Flammenbedingungen bewertet. Die Kennbuchstaben (A–F) stehen für die jeweilige Prüfrichtung, die Ziffern für die Höhe der Schutzleistung.

Prüfverfahren A – Begrenzte Flammenausbreitung (A1 / A2)

Bei der Prüfung der begrenzten Flammenausbreitung wird das Material für eine definierte Zeit beflammt. Entscheidend ist, dass sich die Flamme nicht weiter ausbreitet, kein gefährliches Nachbrennen entsteht und keine schmelzenden oder tropfenden Bestandteile auftreten.

  • A1: Prüfung bei Oberflächenzündung
  • A2: Prüfung bei Kantenentzündung

Hersteller-Hinweis: Diese Prüfung ist die Basis jeder EN-ISO-11612-Kennzeichnung – ohne bestandene A-Prüfung keine Einstufung in weitere Schutzklassen.

Prüfverfahren B – Schutz gegen konvektive Hitze (B1–B3)

Konvektive Hitze entsteht durch heiße Luft oder Flammenhitze. Im Test wird gemessen, wie lange das Material die Wärmeübertragung verzögert, bis auf der Innenseite ein kritischer Temperaturanstieg erreicht wird.

  • B1: grundlegender Schutz
  • B2: erhöhter Schutz
  • B3: hoher Schutz bei intensiver Hitzeeinwirkung

Prüfverfahren C – Schutz gegen Strahlungswärme (C1–C4)

Strahlungswärme tritt z. B. an Öfen, Schmelzanlagen oder in gießereinahen Arbeitsbereichen auf. Das Prüfverfahren bewertet, wie stark das Material Wärmestrahlung abschirmt und damit die Aufheizung auf der Innenseite verzögert.

  • C1: niedrigere Strahlungswärme
  • C4: sehr hohe Strahlungswärme

Prüfverfahren D & E – Schutz gegen geschmolzenes Metall (D1–D3 / E1–E3)

Bei diesen Prüfungen wird geschmolzenes Metall gezielt auf das Material aufgebracht. Entscheidend ist, wie gut das Gewebe den Wärmeeintrag begrenzt, sodass auf der Innenseite keine kritische Temperaturerhöhung entsteht.

  • D: Schutz gegen Aluminiumspritzer
  • E: Schutz gegen Eisenspritzer

Praxisbezug: Diese Kennzeichnungen sind besonders relevant für Gießereien, Stahlindustrie und metallverarbeitende Bereiche.

Prüfverfahren F – Schutz gegen Kontaktwärme (F1–F3)

Kontaktwärme beschreibt den direkten Kontakt mit heißen Oberflächen. Die Einstufung (F1–F3) zeigt, wie lange das Material die Wärmeübertragung verzögert, bevor ein kritischer Temperaturanstieg auf der Innenseite erreicht wird.

Welche Schutzklasse ist wofür sinnvoll?

Nicht jede Tätigkeit erfordert die höchste Schutzstufe. Entscheidend ist die konkrete Gefährdung (Hitzequelle, Dauer, Abstand, Arbeitsposition, Umgebung). Die folgende Orientierung hilft als erste Einordnung – ersetzt aber keine Gefährdungsbeurteilung.

Orientierung: typische Risiken und passende EN-ISO-11612-Schwerpunkte
Typische Tätigkeit / Umgebung Häufig relevante Schutzarten Hinweis
Montage & Instandhaltung mit gelegentlicher Hitze A1/A2, F Kontaktwärme und kurze Flammeneinwirkung stehen im Fokus.
Arbeiten in Ofennähe / hohe Wärmestrahlung A1/A2, C, ggf. B Bei Strahlungswärme sind C-Werte besonders entscheidend.
Gießerei / Metallverarbeitung mit Metallspritzern A1/A2, D/E, ggf. C Metallspritzer (D/E) plus Strahlungswärme (C) häufig kombiniert.
Schweißnahe Tätigkeiten EN ISO 11612 + EN ISO 11611 Für Schweißen ist meist EN ISO 11611 zusätzlich erforderlich.

Tipp: Wenn ihr unsicher seid, welche Kombination aus Schutzarten sinnvoll ist, lohnt sich eine Betrachtung des Gesamtsystems (Unterbekleidung, Passform, Schichtenprinzip, Tragezeiten) – nicht nur einzelner Kennwerte.

Typische Einsatzbereiche

Schutzkleidung nach EN ISO 11612 wird unter anderem eingesetzt in:

  • Metall- und Stahlindustrie
  • Gießereien
  • Schweißtechnik (häufig in Kombination mit EN ISO 11611)
  • Energieerzeugung
  • Chemische Industrie
  • Anlagen- und Maschinenbau

Unterschied: EN ISO 11612 vs. EN ISO 11611

Vergleich EN ISO 11612 und EN ISO 11611
EN ISO 11612 EN ISO 11611
Schutz vor Hitze & Flammen (breites thermisches Risiko) Schutz beim Schweißen und verwandten Verfahren
Metallspritzer, Wärmestrahlung, Kontaktwärme Schweißspritzer, Kurzzeit-Flammeneinwirkung, Zusatzanforderungen
Für viele Industrie- und Instandhaltungsbereiche geeignet Besonders für Schweißarbeitsplätze relevant

Hinweis: Für Schweißer ist oft eine Kombination beider Normen erforderlich – abhängig von der Gefährdungsbeurteilung.

Welche Materialien erfüllen die EN ISO 11612?

Geeignete Materialien sind unter anderem:

  • Aramidfasern
  • Modacryl-Mischgewebe
  • Flammhemmend ausgerüstete Baumwolle
  • Hochwertige Mischgewebe mit permanentem Flammschutz

Entscheidend ist nicht nur das Material, sondern auch Verarbeitung, Nahtkonstruktion und das Design der Kleidung.

Hersteller-Perspektive: Für die Eignung im Arbeitsalltag spielen zusätzlich Atmungsaktivität, Schichtaufbau und die Wasch- bzw. Pflegebeständigkeit der Schutzwirkung eine zentrale Rolle.

Aus Herstellersicht: Konstruktion & Verarbeitung

Neben dem Gewebe beeinflussen auch Konstruktionsdetails die Schutzwirkung und den Tragekomfort. In der Praxis sind unter anderem relevant:

  • Robuste Nähte und geeignete Nahtausführungen (Belastungspunkte, Haltbarkeit)
  • Abdeckungen und Verschlusssysteme, die Angriffsflächen für Funken/Hitze reduzieren
  • Passform und Bewegungsfreiheit, damit Schutzkleidung korrekt getragen wird
  • Sinnvolle Materialkombinationen (z. B. Schutz + Komfort in unterschiedlichen Zonen)

Praxisnutzen: Gute Schutzkleidung schützt nicht nur im Test, sondern unterstützt auch die Akzeptanz im Alltag – und wird dadurch konsequenter getragen.

Pflege & Haltbarkeit der Schutzwirkung

Die Schutzfunktion bleibt nur erhalten, wenn Pflegehinweise eingehalten werden und keine unzulässigen Veränderungen vorgenommen werden. Zudem sollte Schutzkleidung bei Beschädigungen (z. B. Risse, starke Verschmutzung, Materialverschleiß) geprüft und ggf. ersetzt werden.

Bei permanent flammhemmenden Materialien bleibt die Schutzwirkung in der Regel auch nach vielen Waschgängen bestehen – sofern die Pflegeanleitung beachtet wird. Bei ausgerüsteten Materialien kann die Schutzwirkung stärker von Pflege und Nutzungsdauer abhängen.

Passende ROFA Kollektionen & Produktlösungen

Je nach Einsatzgebiet und Risiko können unterschiedliche Ausstattungen sinnvoll sein. Die folgenden Produktlinien werden im Kontext thermischer Risiken häufig eingesetzt.


Jacke 1552365 APC 1
Jacke 1552365 APC 1
MULTISIX
(Art.-Nr. 1552365)

Ab 184,03 € inkl. 19% MwSt.

Stehkragen • vordere Mitte mit Reißverschluss und Druckknöpfen • 2 Brusttaschen mit Patte und Druckknopf • Ärmelabschluss weitenverstellbar durch Druckknöpfe • 2 Seitentaschen mit Reißverschluss • Bewegungsfalten im Rückenteil • verlängerter Rücken • 2 Brustinnentaschen mit Klett • 2 große Innentaschen • 25 mm Reflexstreifen um Rumpf, Ärmel, Schulter und hinterer Kragen • Reflexpaspel um Ärmel • Piktogrammlasche in rechter Brusttasche
Jacke 4592504 APC 1
Jacke 4592504 APC 1 (Art.-Nr. 4592504)

Ab 214,26 € inkl. 19% MwSt.

Stehkragen mit Klett und Reflexpaspel • vordere Mitte mit Reißverschluss und Druckknöpfen • 2 vertikale Brusttaschen mit Reißverschluss • Ärmelabschluss weitenverstellbar durch Druckknopf • 2 Seitentaschen mit Reißverschluss • Bewegungsfalten im Rückenteil • verlängerter Rücken • 2 Innentaschen mit Klett • Kunststoffdruckknöpfe • 50 mm Reflexstreifen um Rumpf, Ärmel und über Schulter • Piktogrammlasche in rechter Brusttasche
Jacke 2652353 APC 1
Jacke 2652353 APC 1 (Art.-Nr. 2652353)

Ab 196,47 € inkl. 19% MwSt.

Umlegekragen • vordere Mitte mit Reißverschluss und Druckknöpfen • 2 Brusttaschen mit Patte • Ärmelabschluss weitenverstellbar durch Druckknöpfe • 2 Seitentaschen mit Patte • Bewegungsfalten im Rückenteil • verlängerter Rücken • links Brustinnentasche mit Klett • 2 große Innentaschen • alle Patten mit Druckknopf • 50 mm Reflexstreifen um Rumpf, Ärmel und über Schulter • Reflexpaspel in vorderer Passe • Piktogrammlasche in rechter Brusttasche

FAQ - Häufig gestellte Fragen zur EN ISO 11612

Die EN ISO 11612 ist eine europäische Norm für Schutzkleidung gegen Hitze und Flammen. Sie legt fest, welche Anforderungen Materialien und Konstruktion von Arbeitskleidung erfüllen müssen, um vor thermischen Risiken wie Flammenkontakt, Strahlungswärme oder Metallspritzern zu schützen.

Schutzkleidung nach EN ISO 11612 eignet sich für Tätigkeiten in der Metall- und Stahlindustrie, in Gießereien, in der chemischen Industrie, im Anlagen- und Maschinenbau sowie in weiteren Bereichen, in denen Beschäftigte thermischen Risiken ausgesetzt sind.
Die Norm selbst ist nicht gesetzlich verpflichtend. Sie wird jedoch häufig im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung herangezogen und von Arbeitgebern eingesetzt, um geeignete persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen.
A1 und A2 beschreiben die Prüfung der begrenzten Flammenausbreitung. A1 steht für eine Oberflächenzündung, A2 für eine Kantenentzündung. Jede Schutzkleidung nach EN ISO 11612 muss mindestens eine dieser Prüfungen bestehen.
Die Buchstaben kennzeichnen unterschiedliche thermische Risiken. B steht für konvektive Hitze, C für Strahlungswärme, D für Aluminiumspritzer, E für Eisenspritzer und F für Kontaktwärme. Die jeweilige Zahl gibt die Höhe der Schutzleistung an.
Zertifizierte Schutzkleidung ist mit einem Piktogramm sowie den entsprechenden Kennbuchstaben und Leistungsstufen gekennzeichnet. Diese Angaben befinden sich in der Regel auf dem Etikett des Kleidungsstücks.